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2 Projekte für die Waldkircher Kulturwochen 2012
[die Austellung im Rathaus ist beendet]

Alte Heimat_Neue Heimat

siehe auch
Fotografie und Mediadesign
www.mariostoeckinger.com

Wenn Licht, Luft und Geräusche
nicht mehr dieselben sind


Ein Fotoportrait mit 13 Waldkirchern aus 10 Ländern zum Thema Heimat.

Fotografie: Mario Stöckinger
Interviews: Michael Konarkowski

Speziell für die Waldkircher Kulturwochen entstand das Fotoprojekt "Alte Heimat, neue Heimat - wenn Licht, Luft und Geräusche nicht mehr dieselben sind".

Konzept

Mario Stöckinger

Über drei Monate haben wir uns mit Menschen aus unterschiedlichsten Regionen der Welt über das Thema “HEIMAT” unterhalten. Ein sehr emotionales Thema. Genau diese Emotionen wollte ich einfangen und das ergab sich nur dadurch, dass wir zu zweit arbeiteten. Während Michael sich auf das Gespräch konzentrierte, hatte ich Gelegenheit innerlich immer wieder zurückzutreten und als stiller Beobachter frei zu agieren. Nur so konnten diese spontanen Bilder aus solcher Nähe und mit solcher Direktheit entstehen.



zum Projekt:

von Michael Konarkowski

Die Auswahl unserer Gesprächspartner gestaltete sich zufällig im besten Sinne des Wortes. Wir fragten in unserem Umfeld herum, schalteten eine Anzeige in der Zeitung und nahmen Kontakt zu Behörden auf, welche sich mit Migration beschäftigen. Aus der Resonanz ergaben sich dreizehn Interviews mit Waldkirchern aus zehn Ländern. Diese kamen aus

Brasilien, China, Iran, Italien, Japan, Kamerun, Rumänien, Syrien, Tansania, Thailand

Wie leicht zu sehen, ist diese Liste weder vollständig, noch repräsentativ für das Phänomen Migration in Waldkirch. Das war auch nicht unser Ansinnen. Wir waren neugierig, welche Menschen uns zufallen werden und was sie zu berichten hatten.

“Wenn Licht, Luft und Geräusche nicht mehr dieselben sind” war unsere Grundidee. Von dieser sinnlichen Dimension ausgehend sind wir dem natürlichem Fluss des Gesprächs gefolgt. Nach vorsichtigem und respektvollem Abtasten ergab sich mühelos die notwendige Vertrautheit für einen offenen Austausch. Jedes Gespräch nahm seine ganz eigene Wendung und oft hatte ich das Gefühl bei einer intensiven Entdeckungsfahrt anwesend sein zu dürfen.

Bei den Einstiegen in die Gespräche fiel mir oft auf, dass der Satz „ich bin gut integriert“ stereotyp benutzt wurde. Uns wurde die politische Dimension des Projekts bewusst. Es regten sich bei mir Gedanken wie: „ist denn nur ein integrierter Ausländer ein guter Ausländer?“
In diesem Zusammenhang ist uns besonders aufgefallen, dass unsere Interviewpartner nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen in Deutschland sind, sondern aus Gründen der freien persönlichen Selbstentfaltung. Wir beschlossen diese Dimension nicht weiter zu verfolgen und ganz im freien Blick des Künstlers zu bleiben.



Eine Fotografie ist das Abbild einer Beziehung

von Mario Stöckinger

Ich sitze mit meiner Kamera einer mir unbekannten Person gegenüber. Ich bin neugierig, aber auch unsicher. Ich weiß nicht, was die nächsten ein, zwei Stunden bringen werden. Während Michael mit unserem „Gast“ spricht, werkle ich an meinen Kameraeinstellungen herum. Ich denke, dass das Licht nicht gut zum fotografieren und die Umgebung recht zufällig ist. Aber das wollte ich so. Nichts beschönigen, nichts stellen! Den Menschen in seiner natürlichen Umgebung sehen wie er ist, das Unerwartete willkommen heißen. Wieder betrachte ich mein Gegenüber, versuche mich in ihn hinein zu fühlen und weiß, dass es keine zweite Chance geben wird diese Aufnahmen zu machen.

Der Moment, an dem ich das erste Mal die Kamera auf ihn richte ist der Schwierigste. Viele Menschen geben einer Kamera zu viel Aufmerksamkeit, lassen sich herausreißen aus dem, was sie gerade tun. Ich „knipse“ also ziellos ein paar Bilder und es kommt mir nicht darauf an, dass sie gut werden. Ich möchte uns an das Klickgeräusch und das Hantieren mit der Kamera gewöhnen. Ich verschenke die ersten Momente aus Respekt vor unserem Gast, obwohl ich weiß, dass gute Bilder entstehen, wenn der Blick noch unbelastet ist, neugierig und spontan. Ich gebe mir Zeit und warte bis wir ein wenig vertrauter miteinander geworden sind und uns gegenseitig etwas geöffnet haben.

… Die Fotografie gibt mir nicht nur die Möglichkeit des kreativen Ausdrucks, sondern ermöglicht mir die Kontaktaufnahme und die Annäherung zu einem anderen Menschen, den ich ohne Kamera höchstwahrscheinlich nie kennengelernt hätte.

Menschen sind komplex und haben oftmals viele paradoxe Eigenschaften und es scheint mir unmöglich sie alle in einer Aufnahme darzustellen. Richtiger ist wohl, dass unser Gast wie auch ich Fragmente unserer Persönlichkeit einbringen. Mit welcher Intensität dies geschieht, hängt zum großen Teil davon ab, inwieweit wir in der Lage sind eine Beziehung einzugehen und unsere Fassade aus erlernten Schutzmechanismen fallen zu lassen. Gelingt es uns einen Raum zu schaffen, in dem wir uns sicher und geborgen fühlen, haben wir die Chance gemeinsam Bilder entstehen zu lassen, auf denen sich ein Teil unserer Persönlichkeit wiederfindet. Eine Fotografie ist das Abbild einer Beziehung. Es ist nicht nur ein Bild, sondern vor allem die Menschen und ihre Beziehung dahinter. Deshalb ist es für mich wichtig, ein Teil dessen zu werden was ich fotografiere.

… und plötzlich sind zwei oder drei Stunden vergangen. Ich sehe Michael, wie er immer wieder Notizen macht, unser Gast über etwas nachsinnt und ich gönne mir einen Moment um meinen Blick über die Umgebung schweifen zu lassen. Wie viele Aufnahmen ich gemacht habe weiß ich nicht, denn ich bin einfach eingetaucht, habe mich treiben lassen, habe manchmal interessiert und manchmal distanziert zugehört. Manchmal war ich von der Intensität der Gespräche so gebannt, dass ich vergaß Bilder zu machen, manchmal so berührt von den Sehnsüchten, Ängsten, Freuden und Hoffnungen die sich im Gespräch ihren Weg bahnten, dass ich dachte, das niemals mit der Kamera wiedergeben zu können. Und manchmal entstanden witzige Momente, mit viel Lachen und einer heiteren Ausgelassenheit, bei der wir alle vergaßen warum wir uns eigentlich getroffen hatten.

 

Textfragmente aus 13 Interviews

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

 

HEIMAT

von Michael Konarkowski

Heimat? Als ich vom Thema der diesjährigen Kulturwoche erfuhr wusste ich sofort, dass es mich etwas angeht. Meine ersten Assoziationen waren Heimatlosigkeit und Fremde. Und gleich darauf wurde mir bewusst, dass auch ich einen starken Wunsch nach Heimat oder Beheimatung verspüre. Doch noch bevor mich die Sehnsucht nach ein wenig „heiler Welt“ wegträgt, meldet sich wieder meine Lust an Auseinandersetzung und Reibung. Ich bemerke, dass ich dieses wichtige Thema nicht den Anhängern von „Heimatfilmen“ oder „Heimatromanen“ überlassen will.

Nun sitze ich also da mit diesem schwierigen und leicht süßlichem Begriff, bemerke wie schon der Gedanke an das Wort Widerstände entfacht und Hoffnungen nährt. Mir fallen Erlebnisse aus meinen unzähligen Reisen ein – zum Beispiel daß ich im Ausland den Kontakt zu anderen Deutschen immer gemieden habe. „Und, was machst du so in Deutschland?“ Schon allein um dieser typisch deutschen und unsäglich langweiligen Frage zu entgehen suchte ich stets schnell das Weite. Ich war lieber mit Menschen zusammen welche mich fragten „was machen wir heute Abend?“ oder „ist das nicht bemerkenswert was wir hier erleben dürfen?“

Ich erinnere mich an die unzähligen Versuche mich als Europäer zu definieren und daran, dass ich ins schwäbisch verfalle wenn ich sehr berührt bin. Doch in Schwaben hielt ich es dank einiger landestypischen Eigenschaften nicht aus. Auf der Suche nach meiner eigenen Identität hat es mich immer wieder in die Ferne gezogen. Je fremder das Land, die Region oder die Menschen waren, desto wohler fühlte ich mich. Ist es die kulturelle Differenz welche mir einen unverstellten Blick auf mich selbst gestattet? Der Druck mich heimisch fühlen zu müssen ist in der Fremde von mir genommen. Alles ist wirklich fremd und ich darf mich mit gutem Recht wundern über das was ich sehe und erlebe. Fremde nehme ich immer als Chance wahr – sie schärft den Blick für meine Identität, für meine geistige Heimat.

Dann fällt mir ein: „Heimat in meinem eigenen Körper“. Seit ich Tai Chi Chuan übe ist mir dieses Gefühl geschenkt. Es ist eine Heimat welche ich überall mitnehmen kann. Seit ich hier im Elztal Tai Chi Chuan unterrichte habe ich einige Weggefährten. Dies Erlebnis von Verbundenheit mit meinen Gleichgesinnten hinterlässt tatsächlich ein heimatliches Gefühl. (auch wenn ich es vor diesem Projekt nicht so genannt hätte) Ich redete mit meinem Freund Mario (mit dem ich vor einigen Jahren schon einmal in einem Rhythmusprojekt zusammengearbeitet habe) über das Thema – und als dann Tanja Sailer in dem Zusammenhang Migranten erwähnte war die Idee zum Projekt geboren. Ich war neugierig wie sich bei diesen „Grenzgängern“ der Kulturen das Spannungsfeld von Fremde und Heimat darstellt.



Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

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Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

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Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat

Waldkircher Kulturwochen / Thema Heimat